Herzog August Bibliothek

Bibliothek und Forschungsstätte in Wolfenbüttel, vor allem für das Mittelalter und die frühe Neuzeit Aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Herzog August Bibliothek

Die Herzog August Bibliothek (kurz HAB, amtliche Bezeichnung Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel[1]) in Wolfenbüttel (Niedersachsen) – auch bekannt unter dem Namen Bibliotheca Augusta – ist eine international bekannte Bibliothek. Wegen ihres bedeutenden Altbestands aus dem Mittelalter und der Frühen Neuzeit ist sie wichtige Forschungsstätte für die Kultur dieser Zeit. Die Forschung wird durch internationale Stipendienprogramme gefördert. Wissenschaftliche Tagungen, kulturelle Veranstaltungen und Ausstellungen von überregionaler Bedeutung werden organisiert.

Schnelle Fakten Gründung, Bestand ...
Herzog August Bibliothek
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Hauptgebäude der Herzog August Bibliothek
Gründung 1572
Bestand rund 1.000.000 Medieneinheiten
Bibliothekstyp Forschungs- und Studienstätte für europäische Kulturgeschichte
Ort Wolfenbüttel
ISIL DE-23 (Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel)
Leitung Peter Burschel
Website hab.de
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Die HAB ist Mitglied der aus sechs deutschen Bibliotheken bestehenden Arbeitsgemeinschaft Sammlung Deutscher Drucke, die eine dezentrale Nationalbibliothek für Deutschland bildet. Im Rahmen dieses Projektes ist die HAB für die Sammlung von deutschen Drucken des 17. Jahrhunderts zuständig. Wegen ihres Altbestandes war die Bibliothek auch intensiv an der Erstellung der retrospektiven Nationalbibliografien VD 16 und VD 17 beteiligt.

Sie untersteht unmittelbar dem Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur, das die Arbeit der HAB durch einen international besetzten Wissenschaftlichen Beirat begleiten lässt. Direktor der Bibliothek ist seit 2016 Peter Burschel.[2]

Herausragende, in der HAB aufbewahrte Einzelwerke sind das Evangeliar Heinrichs des Löwen (entstanden zwischen 1174 und 1189, höchstwahrscheinlich 1188) und das Große Stammbuch Philipp Hainhofers aus dem frühen 17. Jahrhundert.

Im 17. Jahrhundert galt die Herzog August Bibliothek als die größte Bibliothek nördlich der Alpen und wurde als achtes Weltwunder bezeichnet.[3]

Geschichte

Zusammenfassung
Kontext

Die Bibliotheca Julia

Gegründet wurde die Herzogliche Bibliothek in der Residenzstadt Wolfenbüttel durch Herzog Julius zu Braunschweig-Lüneburg (1528–1589), der während seines Studiums um 1550 in Frankreich begann, Bücher zu sammeln.[4] Nach dem Kauf einiger Ritterromane und von Studienliteratur erwarb er ab 1558 auch theologische Schriften und 1567 erstmals eine große geschlossene Sammlung: die Bibliothek des Nürnberger Stadtsyndikus Michael von Kaden († zwischen 15. Dezember 1540/9. März 1541), die vor allem juristische und humanistische Schriften enthielt.[5] 1570–1572 wurden im Zuge der Einführung der Reformation im Herzogtum die Bibliotheken der Klöster Dorstadt, Wöltingerode, Heiningen und Steterburg nach Wolfenbüttel überführt.[6]

Am 5. April 1572 erließ Julius eine erste Liberey-Ordnung, die zugleich als offizielles Gründungsdokument der Wolfenbütteler Bibliothek gilt. Zur Verwaltung hatte der Herzog bereits 1571 den Kirchenmusiker Leonhart Schröter zusätzlich mit bibliothekarischen Aufgaben betraut.[7] Schröter gilt daher als erster Wolfenbütteler Bibliothekar. Neuen Zuwachs erhielt der Bestand der Bibliotheca Julia 1578 durch den Ankauf einer größeren Handschriftensammlung aus dem Nachlass des drei Jahre zuvor verstorbenen Theologen Johannes Aurifaber sowie aus den Erbschaften von Sophia Jagiellonica und dem unehelichen Sohn Erichs II.[8]

Nach Julius’ Tod übernahm 1589 sein Sohn Heinrich Julius mit der Regentschaft auch die Bibliothek. Er erweiterte sie um den Nachlass des Theologen Matthias Flacius und um die Sammlungen der Klöster Georgenberg bei Goslar, Brunshausen und Hamersleben.

Der nachfolgende Herzog Friedrich Ulrich übergab jedoch 1618, nur wenige Jahre nach seinem Regierungsantritt, die gesamte, mittlerweile rund 5000 Handschriften und Drucke umfassende Sammlung an die Universitätsbibliothek Helmstedt.[9] Im Jahr 1810 wurden nach Schließung der Universität große Teile der Bestände zurück nach Wolfenbüttel geführt.

Die Bibliotheca Augusta

Herzog August in der Bibliothek
Kupferstich von Conrad Buno, um 1650

Den legendären Ruf der Bibliothek begründete insbesondere der gebildete und weitgereiste Herzog August der Jüngere (1579–1666), der seit seiner Jugend ein eifriger Büchersammler war. 1611 besaß er auf seinem Hof in Hitzacker bereits mehr als 6000 Bücher, die er in einem ersten alphabetischen Katalog erfasste und in einem eigenen Bibliotheksgebäude unterbrachte. 1625 erforderte die Größe seiner Sammlung die Vergabe von Signaturen und die Anlage des berühmten Bücherrad-Kataloges in sechs Folianten. August teilte seinen Bestand in 20 Sachgruppen ein (Theologica, Juridica, Historica etc.), in die er auch Neuerwerbungen einordnete.

Erst 1635 wurde August, der, aus einer Nebenlinie der Welfen-Dynastie stammend, eigentlich nicht für eine Regentenrolle vorgesehen war, bedingt durch die Wirren des Dreißigjährigen Krieges und das Aussterben der Wolfenbütteler Linie in reifem Mannesalter Herzog von Braunschweig-Lüneburg. Im Frühjahr 1636 wurde auf Anordnung des Herzogs die Bibliothek wegen der gefährlichen Kriegslage nach Wolfenbüttel verlegt. Sie wurde so vor dem späteren Überfall schwedischer Soldaten auf Hitzacker gerettet. Zu diesem Zeitpunkt umfasste die Sammlung bereits über 13.000 Bände.[10] Als Herrscher im Schloss Wolfenbüttel, das er erst 1643 nach Abzug der kaiserlichen Truppen beziehen konnte, setzte er seine systematische Sammeltätigkeit fort und beschäftigte Bücheragenten in ganz Europa, die für ihn Bücher ankauften und nach Wolfenbüttel schickten. Der Herzog erwarb jedoch keine geschlossenen Sammlungen, sondern stets nur Einzeltitel, um seine Bibliothek, die er im Marstall eingerichtet hatte,[11] gezielt zu ergänzen.[12] Zusätzlich wurde sie schon zu Lebzeiten Augusts durch zahlreiche Schenkungen und Nachlässe erweitert. Beim Tode des Herzogs war die Bibliothek mit 135.000 Titeln in 35.000 Bänden eine der umfangreichsten Büchersammlungen dieser Epoche.

Die Bibliothek nach Herzog August

Die Rotunde, Gemälde von Ludwig Tacke (1888)
Die Rotunde, Gemälde von Ludwig Tacke (1888)
Holzmodell der alten Bibliotheksrotunde, ausgestellt im Lessinghaus (2022)
Alter Bücherschrank aus der Bibliotheksrotunde

Von 1691 bis 1716 nahm der Universalgelehrte Gottfried Wilhelm Leibniz nebenberuflich das Amt des Bibliothekars an. Er behielt jedoch seinen Wohnsitz in Hannover und reiste nur gelegentlich nach Wolfenbüttel.[13] Leibniz erstellte den ersten alphabetischen Katalog, vergrößerte abermals die Bestände (unter anderem durch die Gudischen Handschriften) und regte wohl auch den Bau eines neuen Bibliotheksgebäudes an.[14] Die Bibliotheksrotunde wurde von 1705 bis 1713 als erster selbstständiger profaner Bibliotheksbau Europas auf Veranlassung von Herzog Anton Ulrich durch den Baumeister Hermann Korb errichtet. Auf dem Dach trug sie einen vergoldeten Himmelsglobus, der den allumfassenden Charakter der Wissenschaften symbolisierte. Aus statischen Gründen wurde der Globus jedoch später wieder entfernt.[15]

Ab 1737 kamen zahlreiche größere Privatbibliotheken von Gelehrten durch deren Testamente zur Wolfenbütteler Sammlung hinzu, die zusammen rund 60.000 Schriften umfassten. Darunter befanden sich auch die Bestände des Klosters Zur Ehre Gottes aus Wolfenbüttel sowie die 1891 erworbene humanistische Bibliothek der Herzoglichen Technischen Hochschule Carolo-Wilhelmina Braunschweig.[16]

Rund 36.000 Bände und Hunderte wertvoller Handschriften erhielt die Bibliothek außerdem ab 1752 durch Schenkungen aus dem Privatbesitz der Mitglieder der Fürstenfamilie, darunter insbesondere die sehr umfangreiche Sammlung des Herzogs Ludwig Rudolf, die dieser bis zu seinem Tod auf Schloss Blankenburg aufbewahrt hatte.[17][18] Die Bibelsammlung der Bibliothek gründet auf der Sammlung der Herzogin Elisabeth Sophie Marie, die im Jahr 1764 ihre im Braunschweiger Schloss aufgestellte Bibliothek von etwa 4900 Bänden, davon etwa 1200 Bibeln, nach Wolfenbüttel bringen ließ.[19]

Als um 1753/1754 die Residenz des Fürstentums Braunschweig-Wolfenbüttel nach Braunschweig in das neu erbaute Schloss verlegt wurde, blieb die Bibliothek dennoch in Wolfenbüttel.

Gotthold Ephraim Lessing wirkte von 1770 bis zu seinem Tode im Jahre 1781 in Wolfenbüttel, durch ihn wurde die Stadt zu einem Zentrum der Aufklärung. Lessing ist zu verdanken, dass zahlreiche Schätze, die in der Bibliothek verborgen waren, an das Licht der Öffentlichkeit kamen, darunter beispielsweise die einzige Handschrift des Hauptwerks Berengars von Tours: Rescriptum contra Lanfrancum und die Stammtafel der Söhne Adams Tarich Beni Adam. Der Dichter verfasste in dieser Zeit sein letztes Werk Nathan der Weise und unternahm zahlreiche Reisen, die eigentlichen bibliothekarischen Geschäfte überließ er seinen Angestellten.[20] Das Wohnhaus, in dem er die letzten Jahre seines Lebens verbrachte, trägt seinen Namen.

1806/07 brachte die französische Besatzung 355 kostbare Handschriften, Blockbücher und Inkunabeln der Bibliothek in die französische Nationalbibliothek nach Paris.[21][22] Die Auswahl der Werke nahm Dominique-Vivant Denon, der Generaldirektor des Musée Napoléon, vor, den Abtransport führte der Kaiserliche Kriegskommissar Stendhal aus.[23] Wenige Zeit später gab es im Königreich Westphalen Pläne, die Bibliothek aufzulösen und ihre Bestände auf mehrere Universitäten zu verteilen. Nach Beendigung der napoleonischen Herrschaft wurden diese Pläne jedoch nicht umgesetzt. Im Dezember 1815 wurden die geraubten Werke wieder zurückgeführt, einige Stücke, darunter auch eine 36-zeilige Gutenberg-Bibel, eine Biblia Pauperum und eine große Zahl von Handschriften, verblieben jedoch in Frankreich.[24] Anstelle der kostbaren 36-zeiligen Bibel wurde ein anderes, unvollständiges Exemplar zurückgegeben.[25][26] Ebenfalls erhielt die Bibliothek einen Großteil der Sammlung der Universitätsbibliothek Helmstedt, nachdem die Universität bereits 1810 geschlossen worden war.[27] Mittlerweile war dort der Grundstock der Bibliotheca Iulia stark erweitert worden. Einige Drucke wurden an die Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen und die Universitätsbibliothek Marburg gegeben. Zu diesen gehörte eine weitere Gutenberg-Bibel aus ehemaligem Wolfenbütteler Bestand: ein Exemplar mit 42 Zeilen, das sich seither in Göttingen befindet.[28]

Nachdem die Rotunde in den folgenden Jahrzehnten immer baufälliger geworden war, errichtete der Architekt Gustav Bohnsack in den Jahren 1881 bis 1886 den neobarocken Neubau, der noch als Hauptgebäude der Bibliothek dient. 1887 wurden alle Bücher dorthin überführt und die Rotunde abgerissen.[29]

Die Bibliothek ab dem 20. Jahrhundert

Lesesaal im Hauptgebäude (2022)
Magazingebäude, erbaut von 2009 bis 2013

Von 1919 bis 1926 war die Herzogliche Bibliothek Landesbibliothek des Freistaates Braunschweig.[30] In dieser Zeit erfuhr sie, insbesondere unter Heinrich Schneider, durch Öffnung für ein breiteres Publikum sowie Verbesserung der Aufstellung und des Kataloges einen neuen Aufschwung. Nachdem 1927 die Bibliothek jedoch in die Museums- und Bibliotheksstiftung von Haus und Land Braunschweig überführt worden war, wurde die Einrichtung lange Zeit nur wenig frequentiert. Den Zweiten Weltkrieg überstand die Bibliothek im abgeschieden liegenden Wolfenbüttel nahezu ohne Verluste und Schäden, die wichtigsten Bestände waren im Schacht Grasleben ausgelagert. Während ihrer Rückführung nach Kriegsende blieb die Bibliothek für zwei Jahre geschlossen.

Nach Gründung des Landes Niedersachsen wurde die Institution 1950 wieder Landesbibliothek, nun unter der Leitung von Erhart Kästner, der unter anderem die Sammlung der Malerbücher[31] gründete und Mitte der 1960er Jahre das Hauptgebäude durch den Braunschweiger Architekten Friedrich Wilhelm Kraemer umbauen ließ.

Von 1966 bis 1997 war Wolfgang Milde als Handschriftenbibliothekar in Wolfenbüttel tätig und leitete viele Jahre lang die Handschriftenabteilung der Herzog August Bibliothek.[32] Ab dem Jahre 1968 begann der Ausbau und die Öffnung der Herzog August Bibliothek zu einer europäischen Studien- und Forschungsstätte für das Mittelalter und die Frühe Neuzeit. Verbunden ist diese Leistung mit dem Namen des Bibliotheksdirektors Paul Raabe. So wurden ein Stipendien- und Forschungsprogramm, eine Publikationsabteilung und ein Schülerprogramm eingerichtet. Nach und nach wurden weitere Gebäude in die Bibliothek einbezogen, so dass ein Bibliotheksquartier[33] entstand.

Ab 1978 war die Bibliothek zehn Jahre lang Austragungsort für die Meisterkurse der Internationalen Musikakademie für Solisten.[34] Von 1986 bis 2008 erschloss der Bibliotheksmitarbeiter Peter Mortzfeld die umfangreiche Porträtsammlung der Bibliothek und veröffentlichte sie in 50 Bänden.

Zu den zahlreichen bekannten Nutzern zählte unter anderem der europäisch-kanadische Philosoph Raymond Klibansky, der bis 1996 regelmäßig in Wolfenbüttel zu Gast war.[35]

Bibliothekare und Direktoren der Bibliothek

Weitere Informationen Amtszeit, Name und Lebensdaten ...
AmtszeitName und LebensdatenBemerkung
Alte Bibliothek (gegründet von Herzog Julius im Jahre 1572)
1571–1572Leonhart Schröter (um 1532–um 1601)
1572–1575Lucas Weyschner (1550/55–1609)
…… –1599Thomas Mancinus (1550–um 1612)1587–1604 Hofmusiker in Wolfenbüttel[36]
1600–1610Johann Adam Lonicerus (1557– nach 1609)
1611–1611/12Thomas Mancinus
1612–1618Liborius Othoanschließend Umzug der Bibliothek an die Universität Helmstedt
Neue Bibliothek (1604–1644 in Hitzacker, seit 1644 in Wolfenbüttel)
1604–1666Herzog August der Jüngere (1579–1666)
1666–1681David Hanisius (1630/1635–1681)
1682–1685Michael Ritthaler (1641–1685)
1685–1690Kaspar Adam Stenger (1649–1690)
1691–1716Gottfried Wilhelm Leibniz (1646–1716)
1716–1737Lorenz Hertel (1659–1737)
1738–1752Jakob Burckhard (1681–1752)
1751–1770Georg Septimus Andreas von Praun (1701–1786)
1770–1781Gotthold Ephraim Lessing (1729–1781)
1781–1820Ernst Theodor Langer (1743–1820)
1820–1823Friedrich Christoph Wäterling (1743–1833)geschäftsführend
1823–1825Friedrich Adolf Ebert (1791–1834)
1825–1827Friedrich Christoph Wäterlinggeschäftsführend
1827–1830Gebhard Friedrich Eigner (1776–1866)
1830–1854Karl Philipp Christian Schönemann (1801–1855)
1854–1867Ludwig Konrad Bethmann (1812–1867)
1868–1904Otto von Heinemann (1824–1904)
1904–1919Gustav Milchsack (1850–1919)
1920Paul Zimmermann (1854–1933)geschäftsführend
1921–1923Otto Lerche (1885–1954)
1923–1926Heinrich Schneider (1889–1972)geschäftsführend
1926–1927Paul Zimmermanngeschäftsführend
1927–1948Wilhelm Herse (1879–1965)
1950–1968Erhart Kästner (1904–1974)
1968–1992Paul Raabe (1927–2013)
1992–1993Georg Ruppelt (* 1947)geschäftsführend
1993–2015Helwig Schmidt-Glintzer (* 1948)[37]
2015–2016Thomas Stäcker (* 1963)geschäftsführend
seit 2016Peter Burschel (* 1963)
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Gegenwärtiger Gebäudebestand

Zusammenfassung
Kontext

Zur Herzog August Bibliothek gehören gegenwärtig folgende nahe beieinanderliegende Gebäude:[38]

  • Bibliotheca Augusta, Lessingplatz 1 , das Hauptgebäude, darin Direktion, Handschriftenlesesaal, Fotowerkstatt, museale Räume (unter anderem Augusteerhalle).
  • Zeughaus, Schloßplatz 12 , darin Präsenzbibliothek mit einem großen Teil des Buchbestands, Katalogzentrum, Fachinformation, Lesesaal, Orts- und Fernleihe, Seminarraum, Cafeteria; dort finden auch Ausstellungen statt.
  • Kornspeicher, Schloßplatz 8a , darin provisorisches Magazin.
  • Lessinghaus, Lessingplatz 2 , Lessing wohnte dort während der letzten vier Jahre seines Lebens; darin Museum und Gästewohnungen, Stelle für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit.
  • Direktorhaus, Lessingstraße 11 , darin Wohnung des Direktors und Restaurierwerkstatt für Handschriften und Grafiken.
  • Leibnizhaus, Schloßplatz 5/6 , darin Restaurierwerkstatt, Arbeitsräume für Stipendiaten, Seminarraum, Einrichtungen für EDV und Forschungsprojekte, Deutsche Gesellschaft für die Erforschung des 18. Jahrhunderts, Gästewohnungen.
  • Anna-Vorwerk-Haus, Schloßplatz 4 (benannt nach Anna Vorwerk, Gründerin der Wolfenbütteler Schlossanstalten, des heutigen Gymnasiums im Schloss), im Juni 2013 nach zweijähriger Sanierung wiedereröffnet, wird für die Stipendien- und Tagungsprogramme genutzt werden[39]
  • Meißnerhaus, Schloßplatz 2 (benannt nach Johann Christoph Meißner, der dort eine Buchhandlung betrieb, ab 1776 wohnte Lessing für ein Jahr dort[40]), darin Verwaltung, Einrichtungen für wissenschaftliche Veranstaltungen, für Veröffentlichungen, für das Stipendienprogramm und für die Nachwuchsförderung, Lessing-Akademie, Forum, Geschäftsstelle der Gesellschaft der Freunde der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel e. V.

Von 2009 bis 2014 wurde für acht Millionen Euro ein neues Magazingebäude durch Reiner Becker Architekten BDA gebaut, das im Herbst 2014 bezogen wurde[41][42].

Außerhalb des unmittelbaren Bibliotheksquartiers, aber in fußläufiger Entfernung, befinden sich zwei Gästehäuser für Stipendiaten und Gastwissenschaftler:

  • Feierabendhaus, Leibnizstraße 6 , hier 17 Ein-Personen- und 1 Zwei-Personen-Appartement[43]
  • Kurt-Lindner-Haus, Neue Straße 31 , insgesamt 20 Appartements[44] (benannt nach Kurt Lindner, dem ersten Präsidenten der Gesellschaft der Freunde der Herzog August Bibliothek e. V.)

Abgesehen vom Leibnizhaus und neuen Magazin stehen alle genannten Gebäude unter Denkmalschutz.[45]

Bestände

Zusammenfassung
Kontext
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Krönungsbild aus dem Evangeliar Heinrichs des Löwen (Cod. Guelf. 105 Noviss. 2°)

Allgemein

In der Herzog August Bibliothek befinden sich ca. 1 Million Medieneinheiten, darunter ca. 11.800 Handschriften, fast 3.500 Inkunabeln und mehr als 400.000 alte Drucke (Erscheinung vor 1830). Zu den Sondersammlungen der Bibliothek zählen außerdem 15 Blockbücher, über 4.000 Künstlerbücher, eine Bibelsammlung mit mehr als 3.000 verschiedenen Ausgaben, etwa 13.150 Leichenpredigten, 150 Ölgemälde, die Graphische Sammlung mit 12.000 Blättern Holzschnitten, Kupferstichen, Lithografien und Zeichnungen sowie illustrierte Flugblätter, Porträts, 3.000 historische Landkarten, 120 Atlanten und 10 Globen aus dem 16. bis 18. Jahrhundert. Die Bibliothek enthält auch umfangreiche Sammlungen von Musikalien, historischen Postkarten, Theaterzetteln und Einbanddurchreibungen.[46]

Herausragende Einzelwerke (Auswahl)

Handschriften

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Der Agrimensorencodex (Cod. Guelf. 36.23 Aug. 2°)

Drucke und andere Einzelwerke

Bilder

Schülerseminare

Seit 1983 werden in der Herzog August Bibliothek die Wolfenbütteler Schülerseminare durchgeführt. Es handelt sich dabei in der Regel um dreitägige Veranstaltungen, in denen Kurse der gymnasialen Oberstufe von Bibliothekspädagogen durchgeführt werden, ein Thema anhand des Bibliotheksbestands vertiefend zu bearbeiten, oft mit dem Ziel einer Facharbeit.[48]

Wolfenbütteler Digitale Bibliothek

Ein modernes Projekt ist die Wolfenbütteler Digitale Bibliothek (WDB), mit der die Herzog August Bibliothek forschungsrelevante, besonders seltene, herausragende oder häufig genutzte Teile ihres Altbestandes in digitalisierter Form internationalen Forschern online zugänglich machen möchte. Die Digitalisierungsprojekte werden teilweise in überregionaler oder auch internationaler Kooperation mit Hilfe des eigens entwickelten Wolfenbütteler Buchspiegels durchgeführt.[49] Am 23. Mai 2013 wurden die Digitalisate unter die Creative-Commons-Lizenz BY–SA gestellt und zur freien Nutzung zur Verfügung gestellt. Gemäß Angaben der Bibliothek wurden inzwischen mehr als 2,8 Millionen Seiten digitalisiert und über 17.000 alte Drucke und Handschriften der Allgemeinheit zugänglich gemacht.[50]

Literatur

  • Peter Burschel: Die Herzog August Bibliothek. Eine Geschichte in Büchern. Insel Verlag, Berlin 2022, ISBN 978-3-458-19496-5.[51]
  • Peter Ganz, Helmar Härtel, Wolfgang Milde (Hrsg.): Wolfenbütteler Cimelien. Das Evangeliar Heinrichs des Löwen in der Herzog-August-Bibliothek (= Ausstellungskataloge der Herzog August Bibliothek. Band 58). VCH, Weinheim 1989, ISBN 3-527-17819-8.
  • Otto von Heinemann: Die Herzogliche Bibliothek zu Wolfenbüttel. Ein Beitrag zur Geschichte deutscher Büchersammlungen. 2., völlig neugearbeitete Auflage. Zwissler, Wolfenbüttel 1894 (Reprint Amsterdam 1969) (hab.de).
  • Julia Hiller von Gaertringen: „Diese Bibliothek ist zu nichts verpflichtet außer zu sich selbst“ – Erhart Kästner als Direktor der Herzog August Bibliothek 1950–1968 (= Wolfenbütteler Hefte. H. 23). Wiesbaden 2009, ISBN 978-3-447-05879-7.
  • Andrea Kastens (Hrsg.): Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel. Westermann, Braunschweig 1978, ISSN 0341-8634.
  • Leo G. Linder: Die Herzog August Bibliothek und Wolfenbüttel. Braunschweig 1997, ISBN 3-07-509702-0.
  • Wolfgang Milde: Zur Frühgeschichte der Bibliothek zu Wolfenbüttel. 1. Teil: Der Beginn und die Bibliotheksordnung von 1572. (Braunschweigisches Jahrbuch; B. 51 [1970]). Selbstverlag des Braunschweigischen Geschichtsvereins, Braunschweig 1970.
  • Paul Raabe: Die Herzog August Bibliothek als Museum (= Kleine Schriften der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel. H. 1). Heckners Verlag, Wolfenbüttel 1970.
  • Paul Raabe: Die Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel. Bestände – Kataloge – Erschließung (= Kleine Schriften der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel. H. 2). Heckners Verlag, Wolfenbüttel 1971.
  • Paul Raabe: Ein Schatzhaus voller Bücher. Die Herzog August Bibliothek in Wolfenbüttel. Madsack, Hannover 1971.
  • Georg Ruppelt: Von der Herzoglichen Bibliothek zur Herzog August Bibliothek. Geschichte der Wolfenbütteler Bibliothek von 1920–1949. (Arbeiten zur Geschichte des Buchwesens in Deutschland, Heft 4). Göttinger Hochschulschriften-Verlag Bautz, Göttingen 1980, ISBN 3-88309-004-2.
  • Georg Ruppelt, Sabine Solf (Hrsg. im Auftrag der Gesellschaft der Freunde der Herzog August Bibliothek): Lexikon zur Geschichte und Gegenwart der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel. Paul Raabe zum 29. Februar 1992 (= Lexika europäischer Bibliotheken. Band 1). Harrassowitz, Wiesbaden 1992, ISBN 3-447-03233-2.
  • Helwig Schmidt-Glintzer (Hrsg.): A treasure house of books: the library of Duke August of Brunswick-Wolfenbüttel (an exhibition at the Grolier Club, 8 December 1998 through 6 February 1999). Wiesbaden 1998, ISBN 3-447-04119-6.

Philatelistisches

Mit dem Erstausgabetag 7. April 2022 gab die Deutsche Post AG anlässlich des Bestehens der Bibliothek seit 450 Jahren ein Sonderpostwertzeichen im Nennwert von 195 Eurocent heraus. Der Entwurf stammt von der Grafikerin Barbara Dimanski aus Halle.

Commons: Herzog August Bibliothek – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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