Oratorium (Kirchenbau)

lateinische Bezeichnung für eine Kapelle Aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Oratorium (Kirchenbau)

Oratorium (deutsch „Haus der Beter“, engl. „oratory“, franz. „oratoire“) war ursprünglich ein Versammlungsraum der frühen Christen in Privathäusern, später ein kapellenartiges Gebäude oder ein privater oder halböffentlicher Gebetsraum, der gegen den Hauptraum abgeschlossen ist.

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Oratorio di San Venanzio als Annexbau des Lateran-Baptisteriums
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Oratorio dei SS. Quaranta Martiri (bei S. Maria Antiqua auf dem Forum Romanum)
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Grundriss des Lateran-Baptisteriums mit dem Oratorio di San Venanzio (Anbau links unten)

Zur Geschichte

Zusammenfassung
Kontext

Der Ursprung der Oratorien liegt vermutlich darin begründet, an den Schreinen der Märtyrer für die Gläubigen einen Gebetsraum einzurichten, um ihnen das Gebet am Ort des Martyriums oder am Grab des Märtyrers oder in der Nähe seiner Reliquien zu ermöglichen. In Klöstern liegt das Oratorium meist im Klausurbereich oder in einem Nebenraum der Kirche. Oratorien befinden sich auch logenartig auf einer Empore des Chors oder des Langhauses mit Fenstern zum Hauptraum.

Der hl. Benedikt benutzte den Begriff Oratorium in seiner Regel, die im 6. Jahrhundert entstand, für den Ort, an dem sich die Gemeinschaft zum Gebet versammelt.

Der Codex Iuris Canonici (CIC), das Kirchenrecht der katholischen Kirche, unterschied in der Fassung von 1917 zwischen verschiedenen Arten von Oratorien: Privatoratorien (deren Gebrauch nur bestimmten Personen zustand, etwa einem Bischof oder einer Familie und deren Gästen), halböffentliche Oratorien (die den Gläubigen unter bestimmten Bedingungen offenstanden) oder öffentliche Oratorien (die zum Nutzen aller Gläubigen errichtet wurden).

Der CIC von 1983 unterscheidet nicht mehr zwischen öffentlichen, halböffentlichen oder privaten Oratorien. Der Begriff Oratorium definiert seitdem einen privaten Ort des Gebets für eine Gruppe oder Gemeinschaft, die nach Ermessen des Oberen den Gläubigen zugänglich gemacht werden kann.[1] Diese Definition entspricht der des sogenannten halböffentlichen Oratoriums aus dem CIC von 1917. Solche Oratorien können nur mit Erlaubnis des Diözesanbischofs errichtet werden, der vorher geprüft hat, ob das Oratorium „geziemend ausgestattet“ ist.[2]

Frühchristliche Beispiele in Rom

Zusammenfassung
Kontext

Zu den bekanntesten frühchristlichen Oratorien in Rom gehören:

  • 7. Jh.: Oratorio dei Quaranta Martiri: Gedächtnisstätte für die um 320 unter Kaiser Licinius in Armenien hingerichteten 40 Soldaten.[6][7]
  • 640: Oratorio di San Venanzio als Annexbau zum Lateran-Baptisterium: Gedenkstätte für den Märtyrer Venantius von Salona, dessen Reliquien mit den Reliquien weiterer Märtyrer aus Dalmatien dort aufbewahrt wurden; das Apsismosaik mit der Theophanie Christi und mit Maria als Orantin zwischen Heiligen ist erhalten.[8][9]
  • 706: Oratorium von Papst Johannes VII.: Marienkapelle früher im rechten äußeren Seitenschiff von Alt-St. Peter, die Papst Johannes VII. zunächst als sein Mausoleum vorgesehen hatte.[10][11]

Weitere Beispiele

  • 6. Jh.: Erzbischöfliche Kapelle (Ravenna): Auf kreuzförmigem Grundriss errichtete Kapelle im Bischofspalast von Ravenna, die mit ihren Mosaiken bis heute erhalten geblieben ist und deshalb zum Weltkulturerbe gehört.[12]

Einzelnachweise

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