Rauchgranate
Waffe Aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Eine Rauchgranate, auch Nebelgranate, Nebelkerze, Nebelwurfkörper, Nebelbombe, Nebelpetarde oder Nebeltopf genannt, ist eine Granate, die eine starke Rauch- oder Nebelentwicklung erzeugt und als Rauch- oder Signalmittel eingesetzt wird. Eine Explosion findet in der Regel nicht statt, sondern die Ladung brennt – unter einer starken Rauchentwicklung – langsam (pyrotechnisch) ab.

Einsatzgebiete
Zusammenfassung
Kontext

Militär




Rauchgranaten werden militärisch – durch Artillerie, Mörser, Nebelmittelwurfvorrichtungen an Fahrzeugen und von Flugzeugen – vor allem gegen Bodentruppen eingesetzt, um dem Gegner die Sicht auf eigene Kräfte, bedingt auch die Orientierung zu erschweren und eigene Kräfte zu tarnen. Oft wird ein eigener Angriff mit dem Einsatz von Rauchgranaten vorbereitet, um dem Gegner die Abwehr des nachfolgenden eigenen Angriffs zu erschweren. Für eine Tarnung werden Nebelsäurefassgeräte eingesetzt.
Im Bereich des Eigenschutzes von Militärfahrzeugen wird besonderer Wert darauf gelegt, dass der Nebel nicht nur im sichtbaren Frequenzspektrum, sondern auch im Infrarotbereich wirksam ist. In diesem Fall spricht man von multispektralen Rauchgranaten oder Nebelwurfkörpern.
Farbige Rauchgranaten können als Zielmarkierung für eine Luftrettung oder Luftangriffe eingesetzt werden. Hierfür werden Rauchsätze benutzt, die intensiv farbigen Rauch erzeugen.
In der Bundeswehr ist die Verwendung von Nebelwurfkörpern in der Zentralen Dienstvorschrift (ZDv) 3/21 „Gebrauch von Nebelmitteln“ geregelt. Es sind folgende Nebelmittel im Einsatz
- Der Nebelwurfkörper DM25 (Deutsche Modellbezeichnung) hat den Nebelwurfkörper DM15 HC ersetzt. Er wird wie eine übliche Handgranate durch Ziehen der Abzugsringes und Loslassen des Sicherungsbügels gezündet. Hierbei hat er eine Verzögerung von einer Sekunde. Er entwickelt über 80 Sekunden Nebel und enthält 460 g Nebelstoff KM. Dieser ist ein Gemisch aus Kalium, Magnesium, Kaliumchlorid, Kaliumnitrat, Azodicarbonamid, Magnesiumoxid und Kaliumperchlorat.
- Der Schnellnebelwurfkörper DM35 kann nur aus einer Nebelmittelwurfanlage verschossen werden. Der Wurfkörper wird elektrisch gezündet, zerlegt sich in 3 Sekunden und entwickelt 90 Sekunden Nebel. Der Wurfkörper enthält 630 g auf rotem Phosphor basierenden Nebelstoff RP. Der Phosphor verbrennt zu Phosphorpentoxid, das an der Luft zu Phosphorsäure hydrolysiert.
- Der Schnellnebelwurfkörper DM55 kann nur aus einer impulsgesteuerten Nebelmittelwurfanlage verschossen werden. Der Wurfkörper wird elektrisch gezündet, zerlegt sich in 2,5 Sekunden und entwickelt 40 Sekunden Nebel. Der Wurfkörper enthält 585 g auf rotem Phosphor basierenden Nebelstoff RP. Der Nebel ist dichter als bei der DM35.
Sportveranstaltungen
Rauchbomben werden gelegentlich bei Sportveranstaltungen (meist beim Fußball) in Stadien oder bei Konzerten von Fans abgebrannt, oft in Verbindung mit Bengalischen Feuern. Dabei kommen meist verschiedene Rauchfarben zum Einsatz, wie die Vereinsfarben der eigenen Mannschaft. Da das Abbrennen von Feuerwerkskörpern in deutschen Stadien normalerweise per Stadionordnung verboten ist, werden im Gegensatz zu militärischen Rauchgranaten meist keine massiven Metall- oder Kunststoffbehälter als Ummantelung für das Rauchpulver verwendet, sondern das Pulver wird lose in kleinen Beuteln mitgeführt und dann auf dem Boden abgebrannt. Das für zivile Zwecke eingesetzte Pulver unterscheidet sich hinsichtlich der Zusammensetzung stark von militärischem Pulver.
Seenotsignal
Als Seenot-Signalmittel finden schwimmfähige Rauchkörper Verwendung: Bei starkem Wind kann die über Kilometer aus der Luft sichtbare Rauchfahne Flugzeugen den Weg weisen.
Aufbau

Die Granaten erzeugen durch Zugabe verschiedener Chemikalien, so etwa durch Kaliumnitrat (Salpeter), meistens weißen bis grauen Tarnrauch. Mit entsprechenden Zusätzen ergibt sich farbiger Signalrauch. Ein häufig verwendeter Stoff ist weißer Phosphor, der an der Luft unter Bildung von Phosphorsäurenebel verbrennt. Weitere Chemikalien sind Titantetrachlorid, Zinntetrachlorid oder Chlorsulfonsäure, die nach Versprühen ebenfalls zu Säurenebel hydrolysieren. Der entstehende Nebel kann die Gesundheit schädigen und sollte möglichst nicht eingeatmet werden.
Siehe auch
Literatur
- United States. Army. Corps of Engineers, Gas Warfare Bulletin, 1918, Band 1, S. 124ff Raucherzeuger, (eng.)
Weblinks
Commons: Rauchgranate – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
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